Professor Hermann Ebbinghaus wollte es selbst kaum glauben. Er befragte Probanden über das gerade Gelernte. Und nach 20 Minuten hatten fast alle Interviewten fast die Hälfte des gerade Gehörten und Gelesenen schon wieder vergessen. Nach einer Stunde hakte er noch einmal nach. Und? Über die Hälfte, 45 % des just gehörten Stoffes, waren futsch. Professor Ebbinghaus nannte diese Kurve die „Kurve des Vergessens“.

Das bedeutet: Wenn wir nicht dafür sorgen, dass wertvolle Inhalte, die wir langfristig brauchen und nutzen wollen, von uns für uns verfügbar gemacht werden, bleibt kaum was übrig. Wie schade.

Und jetzt die gute Nachrichten: Die Kurve flacht ab!

Der Professor forschte weiter und ermittelte folgende Werte:

  • Nach einem Tag: 34% des neu erworbenen Wissens waren noch abrufbar
  • Nach einer Woche: 23% des neuen Stoffes waren noch vorhanden
  • Langfristig: 15% des Erlernten waren im Hirn haften geblieben

Immerhin: Nur 85% dessen, was wir in Kursen, Seminaren, Vorlesungen oder durch private Studien erlernen, ist langfristig aus dem Gedächtnis verschwunden.

Das gilt für Stoffe, die für uns nicht überaus relevant ist. Aber es gilt auch für das wichtige, für das, was wir brauchen, um beruflich vorwärts zu kommen, um unseren Job gut zu machen, um uns weiter zu entwickeln und um – möglicherweise den Chef zu beeindrucken.

Wege aus der Wissensverdunstung: Mnemotechniken

Mnemotechniken – das klingt sperrig. Aber sie helfen. Durch Mnemotechniken helfen wir dem Gehirn, Nervenverbindungen immer wieder neu zu verbinden. Wenn sich die Synapsen schneller connecten, steigert das die Merkfähigkeit. Und schon haben wir die Chance uns mehr zu merken.

Und wie forcieren wir, daß wir viele möglichst viele und starke Synapsenverbindungen erzeugen? Mit einigen Kniffen helfen wir unserem Hirn auf die Sprünge.

Wir sind sinnliche Wesen – also: Nicht nur Worte merken

Ein wenig Phantasie ist nötig, aber denn geht es ganz gut. Wenn wir den Lernstoff mit sinnlichen Eindrücken verbinden, bleibt er besser kleben. Schaffen wir es Bilder zu erzeugen, die zum Erlernten passen? Ja? Herzlichen Glückwunsch. Das Erlernte bleibt präsenter. Farben, Formen, Gefühle, Geschichten als Merk-Anker helfen ungemein, dass die Bildung nicht verloren ist.

Überaus wichtig: Lernzeit aufteilen

Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch. Wir sind gut beraten, die Lernzeit aufzuteilen. Wenn wir Lernstoff für 300 Minuten zu bewältigen haben, wird es uns unser Gedächtnis danken, es nicht am Stück pauken zu müssen. Lieber vier Wochen lang jeden Tag zehn Minuten lernen als 5 Stunden hintereinander.

Wiederholungen und andere Kniffe

Keine neue Erkenntnis, aber immer wieder gut sie zu wiederholen. Ja, auch für`s Lernen gilt: Lasst uns das, was wir uns merken wollen, immer wieder ins Gedächtnis zurückholen. Wiederholen Wiederholen Wiederholen. Wie schön, wenn wir das Wissen, das uns wertvoll ist, immer dabei haben können, um es, wann immer wir unsere Hirnzellen auffrischen wollen, noch einmal durchlesen können.

Weitere Tipps, damit das wertvolle Wissen nicht der Kurve des Vergessens zum Opfer fällt:

  • Entspannt lernen, lernen mit einem Lächeln, Freude am Lernen empfinden
  • Beim Lernen die Muskeln entspannen. Auch das erhöht die Merkfähigkeit
  • Informationen, vor allem komplexe, in kleine verdauliche Happen aufteilen. Aus diesen dann Bündel machen, die möglichst logisch miteinander zusammenhängen
  • Eselsbrücken bauen. Sie müssen sich – als Beispiel – die Zahlenkombination 2107043112 merken? Wow, schwierig. Ein bißchen Recherche hilft. 21.7. war der Tag der Mondlandung, 04 ist das Gründungsjahr vom Fußballclub Schalke 04 – und für 3112 merken wird uns Silvester. Also: Nicht 2107043112 merken, sondern Tag der Mondlandung Schalke Silvester. Und schon bist Du anderen voraus.